Samstag, 6. Mai 2017

Zu verschenken



Ich möchte unseren Welpen verschenken. 
Am besten sofort. 

Zu mindestens denke ich so morgens um 4.45 Uhr. 

Zuney ist wach und ich bringe sie zum Pippi machen in den Garten. Danach ist an Ruhe nicht mehr zu denken. Die Kleine ist fit wie ein Turnschuh und steckt voller Energie. 
Ich kann das nicht verstehen. Draußen ist es noch fast dunkel. Es ist kalt. Es ist nass. Und überhaupt, ICH will wieder in mein kuschelig, warmes Bett und weiter träumen.

Zuney sagt aber grade voller Lebensdrang „Hallo“ zum Leben…






Während ich die Kaffeemaschine starte, fällt mein Blick auf den Kalender. 
Der Familienzuwachs ist seit Freitag genau 14 Tage bei uns. Die ersten Tage sind wie im Flug vergangen. Ich merke der kleinen Maus an, dass sie bei uns angekommen ist. 

Ein lautes PLATSCH reißt mich aus meinen Gedanken. Zuney ist in den Gartenteich gefallen. Mit wenigen Schritten bin ich bei ihr und ziehe sie aus dem Wasser. Wie ich es dabei schaffe meinen halben Bademantel in den Teich zu halten und meine Socken mit eiskalten Wasser zu durchtränken ist mir schleierhaft. Zum Nachdenken bleibt mir aber keine Zeit; ein nasser, sehr aufgedrehter Welpe verwandelt meine Küche soeben in ein Feuchtbiotop.


Drei Handtücher später ist der Wirbelwind trocken und mir ist eiskalt. Was renne ich auch in nassen Socken rum? 

Während ich angeekelt die nassen Socken von meinen Füßen streife freut sich Zuney über ihre tolle Beute. 

Das Feuchtbiotop mutiert zum Regenwald. 

Es ist erstaunlich, wie gut bereits ein zehn Wochen alter Welpe die nassen Beutesocken schütteln kann.  Kaffeeduft erreicht meine Nase und unterbindet meine aufsteigenden Mordgedanken…



Morgens um sieben



Während ich am ersten heißen Kaffee nippe schaut mich Shila anklagend an, als wollte sie mir sagen: 
„Du hast die Nervensäge angeschleppt“. 

Damit keine weiteren Vorwürfe kommen, reiche ich den Hunde Mädels ihre erste Mahlzeit. 

Nach vier Bechern Kaffee bin ich in der Lage, mir meine Kleidung so anzulegen, dass ich das Haus verlassen kann. 

Shila und Zuney freuen sich. Aus dem Schlafzimmer dringt noch lautes Schnarchen an mein Ohr und es klingt fast ein wenig hämisch, weswegen ich schnell die Haustüre von außen zuziehe. 


Es ist immer noch kalt. Es ist immer noch nass. Aber wenigstens ist es jetzt hell.

Während die Hunde aufmerksam ihre Zeitung durchstöbern, sehe ich die ersten Jungvögel in diesem Jahr. Aus der Ferne höre ich die Rufe der Kraniche. Ein Storch stakst über die Wiese. Am Waldrand springt ein Rehbock ab. 

Am frühen Morgen hat die Natur ihren ganz besonderen Reiz. Ohne Hundewelpen würde ich das momentan nicht mitbekommen. Morgens um 7 Uhr ist die Welt wieder in Ordnung ;-)




Birgit









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